Demo 'Enough is Enough! Open Your Mouth!' Teil 1

Den folgenden Blogeintrag habe ich der Länge wegen in zwei Abschnitte unterteilt. Im ersten Teil möchte ich kurz die Hintergründe der Demonstration umreißen und im zweiten Teil meine persönlichen Eindrücke wiedergeben. Wer also bereits ausreichend über die Hintergründe informiert ist, der/die möge bitte direkt zum zweiten Teil springen.

Seit Juni steht in Russland jede positive oder auch nur neutrale Äußerung zum Thema Homosexualität in der Öffentlichkeit als 'Propaganda von nicht-traditioneller sexueller Orientierung' unter Strafe. In der deutschen Medienwelt hat sich diesbezüglich der Begriff 'Anti-Homo-Propaganda-Gesetz' etabliert. Die Initiatoren und Befürworter solcher Gesetze gehen davon aus, dass Homo- bzw. Bisexualität nicht angeboren ist, sondern sie stützen sich auf die hierzulande glücklicherweise nicht mehr propagierte 'Verführungstheorie', laut der Minderjährige durch Konfrontation mit dem Thema - sei es durch betroffene Menschen oder eine inhaltliche Auseinandersetzung - selbst schwul, lesbisch oder bisexuell würden. Durch die neue Gesetzgebung wird die Aufklärung zum Thema nahezu unmöglich gemacht, was den ohnehin schon großen Leidensdruck während des Coming Outs erheblich erschwert und zudem homophobe Gewalt legitimiert. Viele Betroffene gehen davon aus, dass dadurch die Selbstmordrate unter Homo- und Bisexuellen rapide ansteigen wird; Demütigungen und Gewalt seitens nationalistischer und orthodoxer Gruppierungen gegen queere Menschen sind schon jetzt an der Tagesordnung.

Angesichts der olympischen Winterspiele in Sotchi 2014, forderten einzelne Sportler, Menschenrechtsaktivisten und Verbände von der russischen Regierung, die Gesetzgebung zumindest für die Zeit während der Olympiade auszusetzen, was jedoch weitgehend auf taube Ohren stieß. Alles, was sie zu hören bekamen, waren halbherzige Lippenbekenntnisse, denen einzig und allein die Sorge um einen Profitrückgang aufgrund abspringender Sponsoren anzumerken war. So äußerte sich beispielsweise der Sprecher des deutschen olympischen Sportbunds Christian Klaue dahingehend, dass die Olympiade kein Ort für politische Demonstrationen sei, und die Athleten die Gesetze des Gastlandes zu achten haben - selbst wenn der DOSB natürlich gegen jede Art der Diskriminierung sei. Ein Verbot von politischen Demonstrationen sei für ihn 'leider unumgänglich'. Dass die Reaktionen auf eine Verletzung fundamentaler Menschenrechte wie beispielsweise die freie Meinungsäußerung aber nicht bloß ein politisches Statement sind, wird dabei gerne übersehen. Es kann nicht sein, dass russische Sportler_innen wie Jelena Issinbajewa offen ihr Einverständnis zur Gesetzgebung äußern dürfen, ein Widerspruch jedoch als politische Demonstration verboten werden soll. Auch kann es nicht sein, dass aus Profitgier, mangelnder Sensibilität und Ignoranz über Menschenrechtsverletzungen hinweg gesehen wird.

Aus diesem Grund beginnt sich zunehmend Widerstand zu regen und queerer Protest zu formieren. Bereits am 25.08. kam es in Amsterdam zu einer Demonstration von etwa 2000 Menschen, unter anderem unter Beteiligung des Bürgermeisters Eberhard van der Laan. Auch hier in Berlin organisierte sich Widerstand. Im folgenden Text möchte ich meine Eindrücke wiedergeben für alle, die zur Demonstration mit dem Motto 'Enough ist Enough! Open your Mouth!' am 31.08. nicht kommen konnten. Zweiter Teil hier.

 

Text von Charlie

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Sphynxter (Dienstag, 03 September 2013 03:28)

    Homo Propaganda in Russland wurde verboten, weil sich, wie auch hierzulande, der Großteil der Homopropagandistischen "NGO-s" von den Amerikanern finanzieren lassen.

    Sapienti sat...

    Wer nicht ganz sapient ist, der verschweigt vorsätzlich diesen Grund.

  • #2

    Sphynxter (Dienstag, 03 September 2013 03:34)

    Euere Ziele und Taktiken sind klar durchschaut worden, liebe "auf der Basis des eigenen Homoseins Geldverdienende".

    Das normale Volk sagt: Enough is enough.

    ;)

  • #3

    Charlie (Dienstag, 03 September 2013 10:21)

    @Sphynxter
    Zum Kommentar 1: Die Gestzgebung gegen 'Homopropaganda' bezieht sich leider nicht nur auf irgendwelche NGOs, sondern in erster Linie auf Privatpersonen, die nicht in Verbänden organisiert sind. Es ist völlig schnurz, ob diese von den Amerikanern finanziert werden oder nicht, sondern dass diese Gesetzgebung Gewalt gegen queere Menschen legitimiert und Angst verbreitet. Und deshalb gehen Menschen wie ich demonstrieren.
    Zum Kommentar 2: Ich weiß nicht, wie du darauf kommst, für das 'normale Volk' zu sprechen. Auch habe ich keinen blassen Schimmer, was du in diesem Zusammenhang mit Geldverdienen meinst, wir arbeiten alle ehrenamtlich und niemand verdient etwas für die Arbeit, die wir hier im Verein leisten.

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