Diskussionsabend „Wie lebe ich queer?“

Unter dem Titel „Wie lebe ich queer?“ fand am 22.Oktober der erste Diskussionsabend der QueerGEIST-Veranstaltungsreihe „Zeit und Raum“ statt. Dreizehn Interessierte trafen sich zum Gedankenaustausch im gemütlichen Kellerraum des Cafés 'Sally Bowles' in der Eisenacher Straße in Berlin-Schöneberg.

Wie der Titel schon sagt, ging es darum, einen persönlichen Bezug zum Thema 'queer' herzustellen. So hatten wir nach einer kurzen Einführung einen regen und erfrischenden Austausch, der allen Spaß gemacht hat. Es ging dabei nicht darum, recht zu haben oder akademisch klug zu sein, sondern einander zuzuhören und uns auf neue Sichtweisen einzulassen. Nach der Diskussion saßen wir noch eine ganze Weile zusammen und haben uns noch weiter miteinander unterhalten.

Inhaltlich sind wir davon ausgegangen, dass jede Form von Identität nur im sozialen Kontext wichtig ist, für mich allein brauche ich sie nicht. Aber wenn ich mit Anderen zusammen bin, ist sie wichtig, um mich zugehörig fühlen zu können, um mich abzugrenzen, um andere Gleichgesinnte erkennen zu können, um mich organisieren und informieren zu können. Dazu brauche ich dann natürlich auch einen Begriff, unter dem das Gemeinsame zusammengefasst ist und den alle zumindest ansatzweise gleich verstehen.

Daran schließt sich natürlich die spannende Frage an, ob der Begriff 'queer' hier ein sinnvoller identitätsstiftender Begriff sein kann. Da gibt es ja durchaus einige Probleme: Nicht alle verstehen unter 'queer' das Gleiche. Manchmal erscheint der Begriff inflationär, jede Party nennt sich jetzt 'queer'. Lädt der Begriff nicht ein zur Beliebigkeit oder einfach zur kommerziellen Vermarktung? Oder anderes gesagt: Wozu brauche ich überhaupt so ein Label, bzw. sind die alten Label 'lesbisch', 'schwul', 'bi', 'trans*', 'inter' etc. nicht schon völlig ausreichend?

Wir haben diese Fragen natürlich nicht abschließend beantwortet. Das war ja auch gar nicht der Sinn der Veranstaltung. Aber es gab schon die Tendenz, dass die Definition als 'queer' und ein sich Fühlen als 'queer' eine Bereicherung darstellen könnte. Zum einen für jede_n persönlich, weil man einfach mehr und mehr Menschen kennen- und verstehen lernt und so den eigenen Horizont erweitern kann. Dann kann queer auch viel eher eine soziale Identität sein als die doch stark von der sexuellen Neigung her definierten Begriffe 'lesbisch' oder 'schwul'. Sprich, da passen mehr Lebensbereiche hinein, da kann sich eher so etwas wie eine soziale Gemeinde entwickeln. Nicht zuletzt ist es auch politisch und von der Interessenvertretung her wirkungsvoller, sich auf ein größeres Potential verlassen zu können als begrenzte Partikularinteressen zu vertreten.

 

Auch sprachen wir über die Utopie, dass queer möglicherweise ein Schritt sein könnte in der Entwicklung der Menschheit, hin zur Überwindung von Abgrenzungen zwischen den sexuellen Definitionen und den Grenzen der Geschlechter. In der Lebensrealität queerer Menschen haben wir schon jetzt eine Entwicklung hin zu mehr Gemeinsamkeit, etwa wenn es für jüngere Menschen viel selbstverständlicher ist, gemeinsam mit anderen, ganz unterschiedlichen Menschen zu feiern und sich zu treffen. Also ist 'queer' vielleicht nicht nur ein akademischer, politischer oder einfach schicker Begriff, sondern tatsächlich ein Teil neuer gesellschaftlicher Realitäten.

 

Text von Willi

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