Warum fragen wir nicht?

Letztens hatten wir bei der QueerGeist Adventsfeier ein Gespräch. Ich, aufgewachsen in Deutschland, M., aufgewachsen in Frankreich und J., aufgewachsen in England.

J. fragte: Wie lernen sich Menschen in Deutschland kennen??

Sie wohnt hier in einem Haus, sogar ein Hausprojekt und vermutet, dass kaum eine_r bis niemand aus ihrem Haus, etwas über sie weiß.

Sie fragt ihre Mitbewohnenden und bekommt auch Antworten. Auffällig ist allerdings, dass sie sehr wenig gefragt wird.

M. konnte das bestätigen, dass es wenig small talk und vor allem keine wirkliche Antwort auf die Frage: Wie geht es dir? gäbe bzw. die niemand wirklich hören möchte.

Mmmh… ich dachte immer, das wäre ein Vorurteil über Englischsprachige und Französischsprachige…

Leider kenne ich dieses Phänomen sehr gut.

Ich frage sehr viel. Sicherlich für manchen zu viel. Ich möchte auch auf die Frage: Wie geht es dir? eine richtige Antwort und frage, wenn es denn sein muss, auch mehrmals.

Warum fragen wir nicht? Warum geben wir keine ausführliche Antwort und lassen die Fragenden an unserem Leben teilhaben? Warum wollen wir nicht am Leben Anderer teilhaben? Ist es zu viel? Ist es zu dicht?

Konsumieren wir zu viel als dass wir uns noch mit uns gegenseitig beschäftigen können? Interessieren uns Geschichten nicht mehr? Warum sehen wir dann so viel fern?

 

Ich glaube, wenn wir mehr fragen würden, wüssten wir auch mehr über unsere Mitmenschen. Dann würde es weniger Diskriminierung geben, dann würde der Versuch und die Mühe, die sich die anderen geben uns zu verstehen, nicht nur gewürdigt, sondern wir hätten auch eine Chance ihnen mitzuteilen, was noch besser wäre als Toleranz.

Wenn wir mehr fragten, bräuchte es keine Pegida. Wir hätten weniger Angst, mehr Mitgefühl, mehr Verständnis, bessere Lösungen für alle.

 

Wer fragt, bekommt auch von irgendwoher eine Antwort. Egal, welche Frage. Wer fragt, stärkt eine Verbindung und wer fragt, erweitert Wissen und Bewusstheit.

Wie geht es dir? könnte eine erste, ganz simple Frage sein, die ganz tiefe Verbindung schafft, die zusammenbringt, Wissen und Verständnis bringt. Es geht nicht darum small talk zu halten und Alibigespräche zu führen, es geht darum ernsthaftes Interesse zu haben, auf andere Menschen neugierig sein.

Ich will nicht glauben, dass wir all unsere Neugierde schon durch Konsum und blindes Aufnehmen und Auskotzen abgetötet haben.

Vielleicht kann uns auch die Vor-(Weihnachtszeit) anstiften auch nur einen Menschen pro Tag ernsthaft zu fragen: Wie geht es dir?

Vielleicht hörst du ja die Geschichte deines Tages, vielleicht entsteht eine Freundschaft, eine Liebe oder und das ist ganz wahrscheinlich, du erhellst den Tag des Gefragten und somit auch deinen, denn geben bringt Freude und Geschichten hören auch.

Wurde dir als Kind vorgelesen? Die schönsten Erinnerungen sind das!

Schaust du gern Filme oder Serien? Das sind Geschichten, die berühren. Mehr noch berühren echte, lebendige Geschichten.

 

Was ist mit eurer eigenen? Fragt ihr euch manchmal: Wie geht es dir? Seid ihr euch bewusst darüber, was jetzt gerade in euch vorgeht? Fragt doch mal… aber vorsicht: aus einer Frage entsteht die nächste und die nächste…


Text von Franziska

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