Rezepte: Grünes Thai-Curry nach Kathoey Art

Wer von uns kennt sie nicht: Die Tage, an denen scheinbar alles schief läuft. Stress auf der Arbeit, Ärger mit seinen Mitmenschen, der Wunsch, sich für immer in sein Schneckenhaus zurückzuziehen und nie mehr herauszukommen. Träume von fernen Ländern, weißen Stränden unter Palmen und dem gleichmäßigen Rauschen der Wellen. Sprühregen, Graupelschauer und Konsorten einfach mal gepflegt den Mittelfinger zeigen, sein Bündel schnüren und los geht's.

Aber müssen wir dazu wirklich in die Ferne schweifen? Nicht unbedingt, denn das folgende Rezept schafft Abhilfe. Es ist mein persönliches Geheimrezept gegen schlechte Laune an den berüchtigten 'Alles-ist-scheiße-Tagen'. Und nein, die Rede ist nicht von chemischen Rauschmitteln, sondern meinem all time fave 'Gaeng Keow Waan', Grünem Thai-Curry. Als ich es vor einigen Jahren bei einem Restaurantbesuch das erste Mal probierte, erlebte ich - nicht nur angesichts der pyroklastischen Kunststücke auf der Zunge - ungeahnte Gaumenfreuden. Ein Feuerwerk der Sinne, von feurig scharf über kräftig-herzhaft bis hin zu säuerlich-süß. Seitdem soll mir besser keine_r mehr erzählen, von bestimmten Gerichten könne man nicht süchtig werden. Hätte ich später im Alter die Möglichkeit, würde ich es mir vermutlich intravenös zuführen lassen...

So mag es wenig verwundern, dass ich im Laufe der Zeit damit begann, das Geheimnis des Grünen Currys genauer zu erkunden. Ich experimentierte mit allerlei Zutaten und meine Küche glich dabei nicht selten dem Chemie-Labor eines verrückten Professors, dessen einziger Lebenszweck darin bestand, fieberhaft nach der perfekten Curry-Formel zu forschen. Natürlich hatte ich schnell herausgefunden, dass die Grüne Curry-Paste dabei nur eine der vielen Zutaten darstellte. Und meine zahlreichen Versuche blieben - ich darf das mal ganz unbescheiden so sagen - durchaus nicht ohne Erfolg. Meine Currys kamen gut an und auch ich muss zugeben, dass sie an und für sich nicht schlecht schmeckten. Und doch fehlte etwas Entscheidendes, etwas das ich auf Teufel komm raus nicht hinbekam. Jedes Mal, wenn ich das Gericht bei unserem Lieblingsthailänder bestellte, wurde es mir auf Neue bewusst. Zwischen diesem Hochgenuss und meinen bisherigen Versuchen lagen nach wie vor Welten, das ließ sich nicht bestreiten.

Doch wie es das Schicksal wollte, stieß ich eines Tages unerwartet auf das lang gehütete Geheimrezept einer Kathoey. Nach all den bescheidenen Ergebnissen anderer Rezepte, war ich hinsichtlich des Gelingens nicht mehr sonderlich zuversichtlich. Dennoch gab ich dem Rezept eine Chance. Was hatte ich auch schon zu verlieren? Die Zubereitung unterschied sich in einigen Punkten grundlegend von der Meinigen. Und auch die Mengenverhältnisse waren komplett anders. Voller Erwartung machte ich mich also an die Arbeit. Dann schließlich der erste Löffel beim Abschmecken. Gar nicht übel, dachte ich, nur noch etwas Fischsauce. Ein weiterer Löffel. Und noch ein wenig Limettensaft. Wieder ein Löffel. Wow! Ich konnte es kaum fassen, es war phänomenal lecker und schmeckte nahezu genau so, wie ich es aus dem Restaurant kannte. Nach Jahren des Herumprobierens hatte ich es endlich geschafft. Voller Stolz blickte ich auf den dampfenden Topf vor mir. Ein herrliches Triumphgefühl breitete sich in mir aus. Wie ein Künstler, der soeben sein Meisterwerk mit dem letzten Farbtupfer vollendet hat.

Um euch die lange Suche nach dem perfekten Rezept zu ersparen, möchte ich euch das Rezept nun genauer vorstellen. In Anlehnung an die Urheberin, nenne ich es 'Grünes Thai-Curry nach Kathoey Art'. Die Portionen reichen entweder für eine hungrige Person oder für vier genügsame Personen.

Zutaten:

  • 2 x Dosen Kokosmilch (800 ml); 1 x 400 ml, 1 x 300 ml und 1 x 100 ml
  • 50 g Grüne Curry Paste
  • ca. 450 g Hähnchenbrustfilet
  • 4-5 gehäufte Esslöffel Palmzucker
  • 1-3 große Esslöffel mit Fischsauce
  • 230 ml Hühnerbrühe/Geflügelfond
  • 3-4 Kaffir Limettenblätter
  • 2-3 Thai-Auberginen
  • ca. 180 g Bambus-Sprossen in Scheiben
  • einen halben roten Paprika/eine frische Chili
  • drei Hände voller Blätter frischen Thai-Basilikums
  • Cherry-Tomaten (nach Bedarf)
  • 1-2 Teelöffel Limettensaft
  • 1 Esslöffel Sesamöl
  • eine Tasse Jasminreis


Zubereitungsdauer: 50-60 min.

Zuerst erhitzen wir die 300 ml Kokosmilch solange bis sie andickt und leicht bräunlich wird. Dann wird die gesamte Grüne Curry Paste unter ständigem Rühren hinzugefügt. Für all diejenigen, denen herkömmliche Thai-Gerichte zu scharf sind, empfehle ich, nur die Hälfte der Paste zu verwenden. Sobald sich die Kokosmilch mit dem Curry zu einer geschmeidigen Masse verbunden hat, ist es an der Zeit, die 400 ml Kokosmilch sowie die 230 ml Hühnerbrühe unter Rühren hinzuzugeben und für etwa zehn Minuten auf mittlerer Flamme köcheln zu lassen.

Grünes Curry ist bekanntlich nicht nur ein Fest für den Gaumen, sondern auch für das Auge. Und da die meisten Grünen Curry Pasten eine olivgrüne bis bräunliche Farbe haben, empfiehlt es sich, dem kräftigen charakteristischen Hellgrün ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Hierfür geben wir zwei Hände voll Thai-Basilikum-Blätter, zwei fein gehackte Knoblauchzehen und die Kaffir Limettenblätter zusammen mit etwas Wasser und 100 ml Kokosmilch in den Mixer und zerkleinern das Ganze möglichst fein. Neben der Farbe trägt vor allem das Thai-Basilikum zum typisch anisartigen Geschmack bei. Wer hier also geizt, spart definitiv an der falschen Stelle. Mit herkömmlichem Basilikum geht die Anis-Note leider verloren; es sollte daher nur im Notfall als Ersatz verwendet werden. Die Kaffir Limettenblätter lassen sich natürlich auch unzerkleinert hinzufügen, aufgrund ihrer etwas 'ledrigen' Beschaffenheit, empfehle ich aber die obige Zubereitungsart.

Nachdem wir den Inhalt des Mixers mit der Kokos-Curry Paste vermengt haben, lassen wir das Ganze wieder etwa zehn Minuten köcheln. Anschließend geben wir bis auf einen kleinen Rest unseren gesamten Palmzucker hinzu, welcher dem Gericht ein zartes Karamell-Aroma verleiht. Auch hierbei sei angemerkt, dass sich der wahre Geschmack weder mit weißem noch braunem Zucker wirklich entfalten kann. Aus eigener Erfahrung kann ich daher nur zum Einsatz von Palmzucker raten. Der Unterschied ist wirklich enorm.

Hinterher mischen wir zwei große Esslöffel Fischsauce unter und lassen das ganze weiter auf mittlerer Flamme köcheln. Wer sich nun vielleicht Sorgen macht, die Fischsauce würde das Gericht 'fischig' schmecken lassen, dem sei versichert, dass dies nicht der Fall ist. Stattdessen rundet sie den herzhaften Geschmack perfekt ab ohne dabei aufdringlich in den Vordergrund zu treten. Während die Curry-Mischung köchelt, werden die Thai-Auberginen gründlich gewaschen, von ihrem Stil befreit und - je nach Größe - entweder halbiert, gedrittelt oder geviertelt. Zusammen mit den Bambus-Sprossen werden sie vorsichtig in den Topf gegeben und für weitere fünf Minuten auf hoher Flamme gekocht.

Dann wird der rote Paprika halbiert und in kleine Würfel geschnitten. Wer es sich zutraut, kann statt Paprika auch eine rote Chili-Schote verwenden. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass das Curry für meinen Geschmack schon jetzt höllisch scharf ist. Am besten probiert ihr vorher, ob ihr noch mehr Schärfe vertragen könnt. Alternativ könnt ihr die Chili auch ohne ihre Kerne verwenden. Die Paprika-Würfel werden nun zusammen mit den Resten der noch nicht zerkleinerten Thai-Basilikum-Blätter und dem in kleine Streifen geschnittenen Hähnchenbrustfilet beigemischt und die Hitze wieder auf mittlere Flamme herunter gestellt. Wer möchte, kann zusätzlich noch ein paar halbierte Cherry-Tomaten dazutun. Am Ende schmecken wir das Ganze noch ein wenig mit Fischsauce, Limettensaft, Palmzucker und Sesamöl ab. Und voilà, fertig ist das 'Grüne Thai-Curry nach Kathoey Art'.

Tipp: Jasminreis eignet sich hervorragend als Beilage zum Grünen Thai-Curry, gerade weil sich durch die Mischverhältnisse die Schärfe ggf. etwas regulieren lässt. Bereitet man ihn als Quellreis zu, empfiehlt es sich meiner Erfahrung nach, statt den üblichen zwei Tassen Wasser auf eine Tasse Reis, lieber anderthalb Tassen Wasser zu nehmen. So bleibt der Reis noch etwas bissfester und zerkocht nicht so leicht.

 

Viel Spaß beim Nachkochen!

 

 

Text von Charlie

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Kommentare: 1
  • #1

    Marie (Dienstag, 12 Mai 2015 11:57)

    Superrezept, phänomenal lecker! Habs nachgekocht und bin begeistert. Es schmeckt wirklich wie ein Thairestaurant!

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