Warum schweige ich?

Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mit einem flüchtigen Bekannten über das Thema Wohnen. Wir sprachen über die Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche und die steigenden Mitpreise. Irgendwann kamen wir auf Wohn- und Hausgemeinschaften zu sprechen. Er erzählte mir von den Problemen des gemeinschaftlichen Wohnens und leitete dann nahtlos über zu den Schwierigkeiten, die beim Zusammenwohnen mit seiner Freundin aufgetreten sind. Als ich daraufhin vom Zusammenwohnen mit meinem Freund zu erzählen begann, änderte sich die Unterhaltung schlagartig.

Mein Gesprächspartner verstummte zusehends und machte schließlich einen ziemlich verkrampften Eindruck. "Jetzt bloß nichts Falsches sagen", schien es ihm unentwegt durch den Kopf zu gehen. Nachdem er sich noch einmal vergewissert hatte, dass es hier nicht um einen 'Kumpel' geht, betonte er beinahe reflexartig, dass er nichts gegen Homosexuelle habe. Sogar sein eigener Onkel sei schwul, und die Familie - man mag es kaum glauben - habe kein Problem damit. Gar kein Problem. Das Ganze klang so aufgesetzt und bemüht, dass es fast schon wieder witzig war.

Eine andere Situation. Auf einer Familienfeier sitze ich inmitten meiner Verwandten, die gerade angeregt über das Thema Religion diskutieren. Es geht um die katholische Kirche und ihre (angebliche) Wichtigkeit als moralische Instanz. Man* ist sich zwar einig, dass in der Vergangenheit einige Fehler gemacht worden sind, doch sei die Kirche inzwischen in der Gegenwart angekommen und nehme ja inzwischen alle Menschen mit offenen Armen auf. Mein anfängliches Unbehagen wächst. Ich spüre, wie sich eine innere Stimme in mir aufbäumt. 'Legalisierung des Bösen', 'Zersetzung der Gesellschaft', 'objektiv ungeordnet', 'unnatürlich', 'sündhaft' - einen Menschen mit offenen Armen aufnehmen, klingt für mich anders. Es fühlt sich so an, als befinde ich mich in irgendeinem seltsamen Paralleluniversum. Und doch ziehe ich es vor, nichts zu sagen. Empfinden die Anwesenden das, was ich dazu zu sagen hätte, nicht als unpassend, irrelevant oder gar störend? Ich schlucke meinen Ärger runter und verabschiede mich mit angestrengtem Lächeln aus der Runde, um mir in der Küche einen Kaffee zu holen.

Wenn ich heute mit einem zeitlichen Abstand daran zurückdenke, fallen mir zahlreiche Situationen aus dem Alltag ein, in denen ich ähnlich reagiert habe. Ich muss gestehen, dass dieses Reflektieren sich anfangs nicht gut anfühlte. Es war wie ein Scheitern auf ganzer Linie. So als hätte ich mich und meine Ideale durch mein Schweigen verraten. Wo war der queere Aktivist, der mutig für seine Überzeugungen einsteht, wenn man* ihn mal braucht? Später verstand ich jedoch, dass gerade Scheitern für Lernprozesse ungemein wichtig ist. Es verrät nicht nur etwas über mein eigenes Unvermögen, sondern auch über die ihm zugrundeliegenden gesellschaftlichen Strukturen. Wieso scheitere ich also daran, das Schweigen zu durchbrechen? Weshalb halte ich das Sprechen über meine Erfahrungen als queerer Mensch bzw. schwuler Mann für unpassend, irrelevant oder störend? Und warum denke ich, dass die beiden oben beschriebenen Situationen zusammenhängen?

Was sind Thematisierungsanlässe und wie wirken sie?

Einen Erklärungsansatz bilden hier sogenannte Thematisierungsanlässe. Obwohl sie in ihrer Bedeutung womöglich offenkundig sind, möchte ich kurz noch einmal darauf eingehen. Nach meinem Verständnis geht es dabei um die Frage, wie sich zu welchem Anlass über ein bestimmtes Thema sprechen lässt. Taucht es beispielsweise vermehrt im Zusammenhang mit positiven oder negativen Anknüpfungspunkten auf? Ferner scheint es mir angebracht, in implizite und explizite Thematisierung zu unterteilen. Mit impliziter Thematisierung möchte ich das Sprechen über Dinge beschreiben, die nicht extra hervorgehoben werden. Unter expliziter Thematisierung verstehe ich hingegen das Sprechen über Dinge, die extra hervorgehoben werden.

Wie ich versucht habe anhand der obigen Beispiele zu veranschaulichen, sind die Thematisierungsanlässe u.a. heteronormativ strukturiert. Das bedeutet, dass Menschen mit heteronormativen Lebensentwürfen im Alltag einerseits das Privileg genießen, eine enorm große Zahl von Thematisierungsanlässen zu besitzen und sie andererseits darüber sprechen können, ohne dass diese extra hervorgehoben (aka. markiert) werden. Mein Bekannter hat vorher vermutlich nicht mit sich gerungen, ob er mir vom Zusammenleben mit seiner Freundin erzählen soll. Er hat die Gelegenheit darüber einfach ganz selbstverständlich genutzt. Auch ist es ihm wohl noch nie passiert, dass sich das Gespräch nach dem beiläufigen Erwähnen seiner verschiedengeschlechtlichen Beziehung nicht mehr um das ursprüngliche Thema drehte, sondern um seine sexuelle Orientierung.

Menschen, deren Geschlecht, Geschlechtsidentität, Begehren oder Sexualität von heteronormativen Vorannahmen abweicht, erleben jedoch häufig das Gegenteil. Insofern nehme ich stark an, dass die Fülle an Anlässen für eine implizite Thematisierung einen legitimierenden Effekt auf das eigene Selbstverständnis hat. Dass das Hervorheben von Dingen wie dem eigenen Begehren oder der Sexualität, welche von vielen Menschen als ziemlich intim empfunden werden, mit dem Gefühl von Exponiertheit und Beschämung einhergeht, sollte eigentlich klar sein. Es ist ein wenig so, als sei man* gezwungen, sich vor anderen Personen völlig nackt auszuziehen. Und das ist für die meisten Betroffenen wohl kein besonders angenehmes Gefühl.

Wie explizite und implizite Thematisierung zusammenhängen

Ich habe den Eindruck, dass es genau diese Erfahrungen sind, die queere Menschen dazu bringen, auf eine explizite Thematisierung ihres Soseins zurückzugreifen. Zwar verhindert es das Exponieren nicht, lässt einem_r aber zumindest die Illusion, dies eigenständig herbeigeführt zu haben. Es geht also letztlich auch um eine Art Schutzmechanismus. Zudem kommt es mir so vor, als sei das explizite Thematisieren in gewisser Weise ein Versuch, heteronormative Vorannahmen zu entkräften. Zu unterschiedlichen Thematisierungsanlässen über den eigenen (queeren) Standpunkt bzw. den eigenen Zugang zu einem bestimmten Thema wie z.B. der katholischen Kirche zu sprechen, enthüllt den mehrheitsgesellschaftlich geprägten Blick darauf als heteronormativ. Es zeigt, dass es sozusagen alternative Wahrheiten gibt, dass bestimmte Menschen ganz andere Erfahrungen mit etwas gemacht haben bzw. immer noch machen.

Festigt sich ein solches Wissen irgendwann, kann darüber gesprochen werden, ohne dass dies explizit zum Thema gemacht wird. Wenn sich eines Tages in der Mehrheitsgesellschaft z.B. das Wissen durchsetzen sollte, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, diese nicht (immer) an ihren Körpern zu erkennen sind, und sich ihr Begehren/ihre Sexualität ganz selbstverständlich auf Menschen aller Geschlechter beziehen kann, wird eine explizite Thematisierung hinfällig. So betrachtet ist es eine notwendige Vorstufe, um eine implizite (aka. unmarkierte) Thematisierung zu einem späteren Zeitpunkt zu ermöglichen. Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass die beiden oben beschriebenen Situationen indirekt zusammenhängen.

Explizite Thematisierung und Problematisierung

Wir sehen also, dass die Art der Thematisierung stark vom jeweiligen Wissen des Umfelds abhängt. Da sich in breiten Teilen unserer Gesellschaft ein derartiges Wissen leider noch nicht (ausreichend) durchgesetzt hat, ist es kein Wunder, dass queere Lebensentwürfe bislang nahezu ausschließlich in gleichermaßen expliziter wie problematisierter Form aufgegriffen werden.

Als ich vor einigen Jahren anfing mich näher mit Homosexualität und später auch vermehrt mit Bisexualität, Trans- sowie mit Intergeschlechtlichkeit auseinanderzusetzen, stieß ich ununterbrochen auf Berichte problematisierter Lebensentwürfe. Überall las ich von 'Homophobie', 'Transphobie', Mobbing, Pathologisierung, Intoleranz, staatlicher und gesellschaftlicher Repression, Verfolgung, Suiziden etc. Sicherlich gab es darunter auch zahlreiche Berichte von Aktivist_innen, die gegen die diskriminierenden gesellschaftlichen Zustände ankämpften, doch entpuppten sich auch diese in letzter Konsequenz als problematisierend. Egal ob trans, inter, bi, lesbisch oder schwul - immer standen die Schwierigkeiten des 'Andersseins' im Mittelpunkt, immer tauchte das Thema zusammen mit negativen Anknüpfungspunkten auf.

Nun ließe sich einwenden, es mache einen Unterschied, ob queere Lebensentwürfe und Existenzweisen selbst explizit problematisiert werden oder das heteronormative Ordnungsprinzip dahinter. Ist z.B. Transsein selbst ein Problem oder die Unfähigkeit vieler Menschen, Geschlecht und Geschlechtsidentität anders zu denken und zu verstehen? Meiner Erfahrung nach greift beides oftmals derart stark ineinander, dass eine Unterscheidung hier kaum möglich ist. Zwar wird das mangelnde Verständnis in den seltensten Fällen explizit auf 'heteronormative Sozialisation' zurückgeführt, die Indizien dafür werden jedoch durchaus erkannt und problematisiert. Das zeigt sich an Formulierungen, in denen es heißt, "das Umfeld habe mit dem Thema bislang nichts zu tun gehabt" oder "die Eltern fielen bei dem Coming Out ihres Kindes aus allen Wolken". Es muss also gar nicht ausdrücklich von Heteronormativität die Rede sein. Allein die Tatsache, dass immer wieder von Menschen die Rede ist, die nicht damit rechnen und dann plötzlich im näheren Umfeld mit Queersein konfrontiert sind, verweist auf eine heteronormative Sozialisation.

Letztlich scheint mir die Unterscheidung an dieser Stelle aber auch nur marginal. Selbst wenn das dahinterstehende Ordnungsprinzip als das eigentliche Problem erkannt wird, ändert es nichts daran, dass der Kontext immer tendenziell negativ ist. Aus diesem Grund macht es dabei wohl kaum einen Unterschied, ob wir uns in queeren oder heteronormativen Räumen bewegen. Und ja, ich bin mir völlig im Klaren darüber, dass dieses Blog hier keine Ausnahme bildet.

Mangel an positiven Anknüpfungspunkten und seine Folgen

Ungeachtet der Frage, ob wir nun Heteronormativität oder das eigene Queersein als Problem betrachten, fehlt es an Raum für eine positive bzw. nicht-problematisierte Thematisierung unserer Lebensentwürfe und Existenzweisen. Wie ungewohnt sich eine solche Thematisierung anfühlt, wurde mir erst beim Schreiben dieses Blogposts so richtig bewusst. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mir ansatzweise vorstellen konnte, wie diese konkret aussehen könnte. Und noch immer zweifele ich daran, ob es eine nicht-problematisierte explizite Thematisierung queeren Lebens überhaupt geben kann. Braucht Queersein als 'Antipode' nicht stets Heteronormativität? Findet das Thematisieren von Queersein daher nicht per definitionem vor einem problematisierenden Hintergrund statt?

Leider kann ich diese Fragen hier nicht abschließend klären, doch macht es deutlich, dass es beim Mangel an Thematisierungsanlässen vor allem um einen Mangel an positiven Anknüpfungspunkten geht. Wir wachsen in einer Gesellschaft auf, in der unser Sosein nur dann Thema ist, wenn es zum einen explizit hervorgehoben und zum anderen problematisiert werden kann. Kaum eine Darstellung gleichgeschlechtlicher Liebe kommt ohne eine ausdrückliche Markierung des Paares als lesbisch oder schwul (seltener auch bisexuell) aus. Zudem findet sich kaum eine Darstellung, in der diese Liebe nicht anhand dramatischer Elemente wie etwa einem Coming Out, Mobbing, Queerfeindlichkeit etc. problematisiert wird. Wir sind es sozusagen gewöhnt, dass unser Sosein permanent delegitimiert und in Frage gestellt wird. Von Selbstverständlichkeit kann wahrlich keine Rede sein. Wie ich bereits in einem älteren Blogpost geschrieben habe, sehe ich dabei besonders die Gefahr des Disempowerments, d.h. es leistet im Endeffekt einen ent_stärkenden Beitrag.

Eine Thematisierung, die sich derart auf negative Anknüpfungspunkte stützt, hat Auswirkungen sowohl auf unseren Umgang mit dem eigenen Sosein, als auch auf den unseres Umfelds. Indem wir lernen, dass queere Lebensentwürfe und Existenzweisen nur dann eine Daseinsberechtigung als Thema besitzen, wenn sie ausdrücklich als solche hervorgehoben und problematisiert werden, lernen wir sie in sämtlichen anderen Situationen im Alltag zu verschweigen. Das mag auch der Grund sein, weshalb ich so oft daran scheitere, in heteronormativen Räumen meinen eigenen (queeren) Standpunkt zu einem bestimmten Thema zu vertreten, und weshalb ich befürchte, das Sprechen darüber würde dort als unpassend, irrelevant oder störend empfunden werden. Ferner erklärt es, weshalb sich mein Gesprächspartner in der oben beschriebenen Situation gezwungen sah, ausdrücklich auf mein Schwulsein einzugehen und es indirekt zu problematisieren, und zwar ausgerechnet indem er betonte, dass die Homosexualität seines Onkels 'kein Problem' sei.

Fazit

Haben wir die Ursachen für das Schweigen einmal verstanden, fällt es auch leichter Strategien dagegen zu entwickeln. Was also lässt sich abschließend sagen? Zum einen fällt auf, dass die Thematisierungsanlässe heteronormativ strukturiert sind. Das heißt, Menschen, deren Geschlecht, Geschlechtsidentität, Begehren und/oder Sexualität von der Mehrheit abweicht, besitzen ungleich weniger Gelegenheiten, über ihr Sosein zu sprechen, ohne dass dies explizit hervorgehoben und problematisiert wird. Oft sind die einzigen Anknüpfungspunkte, die dies ermöglichen, negativ. Geht es um queere Lebensentwürfe und Existenzweisen, so werden sie meist vor dem Hintergrund von Diskriminierung und Gewalt thematisiert.

All dies führt dazu, dass wir uns häufig nicht legitimiert sehen, unsere Lebenswirklichkeit bei anderen Anlässen ernst zu nehmen und entsprechend zum Ausdruck zu bringen. Stattdessen halten wir das Sprechen darüber für unpassend, irrelevant oder störend. Doch sind unsere Standpunkte, unser Wissen und unsere Erfahrungen nicht gleichermaßen wertvoll, wichtig und berechtigt? Ich wünsche mir, dass wir in Zukunft genauso selbstverständlich über uns und unser Leben sprechen können, wie alle anderen auch. Vielleicht werden wir dann eines Tages vom Zusammenwohnen mit unserer_m Partner_in erzählen, und alles was zurückkommt, ist die Frage, wer den Müll runterbringt und ob uns offene Zahnpastatuben auch so stören...

 

Text von Charlie

 

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Kommentare: 8
  • #1

    Miracles (Dienstag, 10 Mai 2016 20:17)

    danke für den wieder sehr sensibel reflektierenden beitrag.leider bin ich schriftlich zu ungeduldig für so lange texte.meine stärke liegt eher im rhetorischen.
    mit deinem fazit stimm ich sehr überein.

  • #2

    Charlie (Dienstag, 10 Mai 2016 20:49)

    @Miracles

    Danke für deinen lieben Kommentar.
    Das Schöne ist ja, dass es so viele unterschiedliche Arten von Blogs gibt. Manche Menschen mögen kurze knackige Texte, manche eher ausführliche Texte. Alle haben ihre Vorzüge und sind gut so wie sie sind.

  • #3

    Karl (Mittwoch, 11 Mai 2016 17:23)

    Eine sehr unterstützende Analyse. Danke! Das Warten auf einen neuen Beitrag von Dir hat sich wieder gelohnt.

  • #4

    Charlie (Mittwoch, 11 Mai 2016)

    @Karl
    Auch dir herzlichen Dank für deinen Kommentar.
    Es motiviert mich zu lesen, dass dir der Text gefallen hat und du etwas daraus mitnehmen konntest.

  • #5

    Karl (Dienstag, 14 Juni 2016 13:33)

    Das Verbrechen von Orlando ist schier unerträglich. Doch wie weite Teilen der Medien es schaffen, darüber zu berichten, ohne LGBT* anzuerkennen oder Homophobie zu thematisieren – und das trotz der klaren Worte des US Präsidenten – verschlägt mir gerade die Sprache, hinterlässt mich völlig hilflos und macht mich nur noch wütend. Ich könnte schreien ... sorry, dass ich gerade hier reinkotze, das musste raus.

  • #6

    Charlie (Dienstag, 14 Juni 2016 14:30)

    @Karl
    Ich vermute, dass selbst die mediale Verarbeitung queerfeindlicher Verbrechen oftmals durch die heteronormative bzw. heterosexistische Brille erfolgt. Viele Medienmacher_innen sind hier schlicht blind und/oder instrumentalisieren die Gewalt bewusst als Befeuerung für medienwirksame(re) Debatten à la 'Islamisierung', Einwanderung, Waffengesetze etc.

    Menschen, die sonst nicht viel mit queeren Personen zu tun haben, versuchen sich in den Nachrichten wiederzufinden und diese dann auf sich umzumünzen. Ich hatte vor einiger Zeit einen Artikel zum Thema Hetero-Referenz geschrieben, in dem ich genau diesen Mechanismus versucht habe offen zu legen. Dabei sollten schwule Männer aber nicht meinen, sie seien frei davon, denn das ist meines Erachtens niemand*. Hinzu kommt, dass sich Nachrichten zu Terror und Gewalt besser verkaufen, wenn man* sie gezielt auf die breite Masse bezieht. Da fällt die explizite Nennung von queeren Menschen schnell unter den Tisch. Stichwort unsichtbarmachende Gewalt.

    Außerdem würde die explizite Nennung von Queerfeindlichkeit (aka. 'Homophobie') wohl eine breite Debatte erfordern, der sich große Teile der Gesellschaft strikt verweigern (inkl. unsere Regierung). Viele wollen weder wissen, wie alltäglich Gewalt für queere Menschen ist, noch wollen sie auf ihre eigene Ignoranz aufmerksam gemacht werden. Auch wollen sie nicht hören, dass Queerfeindlichkeit auf Heterosexismus und dieser auf Heteronormativität fußt. Es ist leichter, sich zu empören, die Gewalt (angeblich) 'psychisch Kranken' oder 'Terrorist_innen' in die Schuhe zu schieben, und die tatsächlichen Ursachen damit weitgehend unangetastet zu lassen. Ähnliche Mechanismen konnten wir z.B. zu Beginn des Jahres nach den Ereignissen von Köln in Bezug auf sexualisierte Gewalt sehen.

    Ferner denke ich, es ist legitim, sich nach dem Massaker von Orlando wütend und hilflos zu fühlen. Es ist legitim zu schreien, zu fluchen und zu trauern. Wichtig ist, dass wir uns jetzt nicht von polarisierenden Kräften spalten und entsolidarisieren lassen. Auch ist es wichtig, nach der Zeit der Fassungslosigkeit und Ohnmacht unsere Worte wiederzufinden und lautstark unsere Stimmen gegen Queerfeindlichkeit und andere Formen von Gewalt zu erheben.

    Viele Grüße,
    Charlie

  • #7

    Karl (Dienstag, 14 Juni 2016 17:44)

    @Charlie

    Danke, das scheint mir sehr plausibel von Dir auf den Punkt gebracht. Und Köln ist ein gutes Stichwort in diesem Zusammenhang. Dein Artikel zur Hetero-Referenz würde mich natürlich brennend interessieren. Gemeint ist nicht der Beitrag "Der blinde Fleck" auf diesen Seiten?

    Liebe Grüße

  • #8

    Charlie (Dienstag, 14 Juni 2016 17:53)

    @Karl
    Ich meinte eigentlich einen anderen Artikel, obwohl bestimmte Aspekte immer mal wieder bei mir auftauchen. Der Artikel, auf den ich mich bezog, war dieser hier: http://www.queergeist.com/2015/05/05/heten-cissys-stinos-der-mittelpunkt-der-welt/

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